Libori Lecture 2026: „Kritik an kirchlichen Lehrformen ist kein Angriff auf den Glauben“

Prof. Dr. Michael Seewald, Inhaber des Lehrstuhls für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, hielt am Freitag, 24. Juli 2026, die Libori Lecture 2026.

Im voll besetzten Audimax der Theologischen Fakultät Paderborn (ThF) sprach er vor Gästen aus Wissenschaft, Kirche und Öffentlichkeit zum Thema „Formen der Verbindlichkeit. Zur Normativität der Glaubenslehre jenseits des Dogmas“.

Rektor Aaron Langenfeld begrüßte unter anderen Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, die Bischöfe Dr. Franz Josef Bode, Abraham Desta, Ricardo García García, Joseph Roman Mlola, Lukas Fikre Woltetensae und Merhakirstos Gobezayel Yilma, die Weihbischöfe Josef Holtkotte und Manfred Grothe, den Generalvikar von Paderborn, Dr. Michael Bredeck, Offizial Markus Stadermann, Domkapitular und Pfarrer der Innenstadtgemeinde Benedikt Fischer, Diözesanjugendpfarrer und Domvikar Tobias Hasselmayer, Dr. Peter Klasvogt, Rektor des Campo Santo Teutonico in Rom, sowie elf Studierende eines Austauschprogramms für Mittel- und Osteuropa, Dekan Prof. Dr. Harald Schröter-Wittke von der Universität Paderborn, Alt-Bürgermeister Heinz Paus und Alt-Superintendent Volker Neuhoff. Mit dem Format der Libori Lecture setzt die Theologische Fakultät Paderborn gemeinsam mit dem Möhler-Institut für Ökumenik einen theologisch-akademischen Auftakt zu den Feierlichkeiten des Liborifests.

„Die Libori Lecture wird an Personen vergeben, die die Bedeutung der Theologie in besonderer Weise verkörpern. Sie ist bewusst im Rahmen der Libori-Feierlichkeiten angesiedelt, um zu diesem bedeutenden Fest eine wissenschaftliche Dimension beizusteuern und so die Lebendigkeit und Relevanz der Theologie innerhalb der gelebten kirchlichen Wirklichkeit sichtbar zu machen“, sagte Rektor Langenfeld.

Dr. Dominique-Marcel Kosack, Direktor des Möhler-Instituts für Ökumenik, hob in seiner Vorstellung Michael Seewalds hervor: „Mit seinem 2025 mit dem Leibniz-Preis ausgezeichneten Plädoyer für die Wandelbarkeit von Dogmen unter Beibehaltung der Tradition hat Michael Seewald eine Brücke zwischen den gegensätzlichen Lagern des Katholizismus geschlagen.“

Seewald warb bei der diesjährigen Libori Lecture für eine Kirche, die den Glauben in ihrer Lehre so bezeugt, dass er zur Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Gegenwart befähigt. Ein Rückzug in abgeschlossene Glaubenswelten werde dem Evangelium nicht gerecht.

Die gegenwärtige Theologie leide nach Ansicht des Dogmatikers unter „Ängstlichkeit“: Kritik an der kirchlichen Lehrform werde oft als Angriff auf den Glauben verstanden. Dabei seien Dogmen geschichtlich entstandene und grundsätzlich kritisierbare Formen kirchlicher Lehre. Kritik dürfe aufgrund der Zeitlichkeit kirchlicher Lehre deshalb nicht mit einer Ablehnung der christlichen Glaubenslehre verwechselt werden. Sie könne vielmehr „mit überzeugter Kirchlichkeit einhergehen“. Die Kirche bedürfe „eines Glaubens, der so groß ist, dass er zur radikalen Selbstkritik fähig wird. Aus dieser Selbstkritik heraus könne wiederum eine Vitalität entspringen, die belebend auf geläuterte Formen des Christseins zurückwirkt.

Der Vortrag von Professor Seewald wird in der theologisch-wissenschaftlichen Fachzeitschrift Theologie und Glaube der Theologischen Fakultät Paderborn veröffentlicht.

Musikalisch umrahmt wurde die Libori Lecture von Sebastian Pietsch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der ThF, am Flügel und Therese Bergmann, Sopran.

Am Samstag leitet Professor Seewald gemeinsam mit Rektor Langenfeld die MasterClass.Theologie für besonders begabte Schülerinnen und Schüler sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die sich um ein Stipendium für das gesamte Wochenende beworben haben. Dies ermöglicht es ihnen, die Libori-Vorlesung und die Meisterklasse zu besuchen und zugleich an den liturgischen und zivilen Feierlichkeiten teilzunehmen. Das Stipendium wird vom Erzbistum Paderborn finanziert. Im Fokus der diesjährigen MasterClass.Theologie steht das Thema „Glaube und Kirche mitten im Wandel“ Die Teilnehmenden werden sich mit der Frage beschäftigen, was bleibt, wenn sich alles verändert.

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